Challenge Lissabon – Saisoneinstieg mit neuer Bestzeit

Challenge Lissabon – Saisoneinstieg mit neuer Bestzeit

Eigentlich war der Plan an diesem Wochenende, vom 19.06.2018, bei der 70.3 Barcelona Mitteldistanz am Start zu stehen. Nachdem ich mir mit der Anmeldung um Weihnachten rum aber ein wenig Zeit gelassen habe, kam in der zweiten Neujahrswoche die Nachricht von Ironman, dass dieser Wettkampf mittlerweile ausgebucht ist. Super! Gut gemacht, Stephanie!

Also habe ich mich als Alternative für die (oder den, wie man es auch immer nennen möchte) – in der deutschen Triathlonszene noch eher weniger bekannte – Challenge Lissabon entschieden. So viel vorab: Rückblickend bin ich sogar froh, dass Ironman und der Andrang zum 70.3 Barcelona mir einen Strich durch die Rechnung gemacht haben.

Angesetzt war der Start der Challenge Lissabon bei meiner Anmeldung Ende Januar auf 16Uhr. Das habe ich aber auch erst nach der Anmeldung festgestellt. Genial, wenn man sich über den Wettkampf nur so halb informiert.

Erster Gedanke: Warum zur Hölle lässt man einen Mitteldistanztriathlon erst um 16Uhr also schon am fortgeschrittenen Nachmittag starten??? Zum Glück sollte sich das ganze ursprüngliche Zeitkonzept aufgrund der zuerst nicht berücksichtigten Auswirkungen des Eurovision-Song-Contest (am Wochenende davor) noch einmal komplett ändern, sodass der Start für meine Startwelle letztendlich doch in der Früh um 7:40Uhr war. Insgesamt muss man hier anmerken, dass die gesamte Organisation sehr chaotisch war. Da es mein erstes Rennen unter der Marke Challenge war, wusste ich natürlich nicht, was zu erwarten ist und ob dieses Rennen mit einem Rennen von Ironman vergleichbar ist.

Jetzt aber zu meinem Renntag, meinem ersten Rennen nach Kona, meiner dritten Mitteldistanz und meinem ersten Challenge – Rennen:

Den Teil mit dem frühen Aufstehen und Frühstücken erspare ich euch an dieser Stelle, da das wohl bei den meisten Athleten immer derselbe Ablauf ist.

Der erste Kommentar als mein Papa mich um 6Uhr in der Früh zur Wechselzone gefahren hatte, war: „Extrem ruhig hier, wo sind die Athletenscharen? Und wo sind die Helikopter?“ Sichtlich Hawaii versaut also. ? Es war wirklich extrem ruhig und man hatte nicht den Anschein, als ob hier in einigen Stunden ein großes Triathlon Event stattfindet. Natürlich muss man erwähnen, dass dieses Rennen für die Mitteldistanz ein Starterlimit von 600Startern hat. Im Vergleich zu Ironman Veranstaltungen sind das dann circa zwei tausend Athleten weniger, daher also die ungewohnte Ruhe. Ganz gemütlich bin ich also zu meinem Rad in der Wechselzone und habe alles hergerichtet, wie immer eben. Danach hieß es nur noch auf die Eltern warten und in den Neopren schlüpfen und ab zum Start.

Die Zeit bis zum Start zieht dann bei mir immer wie in einem Film vorbei. Es folgen Moderatoren – Ansagen, die Profis gehen ins Wasser, der Startschuss für die Männerprofis fällt, die weiblichen Profis gehen ins Wasser und ein weiterer Startschuss fällt.

Plötzlich ganz benommen werde ich mitten in der Masse der ersten Agegrouper Startwelle nach vorne in den Startbereich gedrängt. Was mache ich hier? In diesen Momenten, sage ich mir immer, dass es hier um mein Rennen geht. Ich habe eine Menge dafür bezahlt, also werde ich es weitgehend versuchen zu genießen. Das Schwimmtraining ist in den Wochen davor eher nicht existent gewesen, daher habe ich dieses Mal am meisten Angst vor dem Schwimmen. Ein ungewohntes Gefühl!

Schon geht es auch für mich in das eiskalte Wasser des Ozeanariums. Man musste wirklich ordentlich auf der Stelle strampeln, dass die Füße nicht hier schon zu Eisklötzen werden. Wasserstart ist defintiv nicht mein Favorit, aber gut, hat mich ja niemand gefragt, was mir Recht bzw. lieber gewesen wäre.

Plötzlich das Startsignal. Alle schlagen wie wild um sich und jeder versucht in seinen Kraul Rhythmus reinzukommen. Der erste Teil der Strecke bis zur ersten Boje wird überschwommen und um sich geschlagen, was das Zeug hält. Super, dass liebe ich ja ganz besonders! Erst nach circa 900m hat sich das Ganze entspannt. Ich hatte mir vorab gesagt, dass ich ganz locker schwimmen werde und entspannt aus dem Wasser kommen möchte um fit für die anderen beiden Distanzen zu sein, aufgrund des fehlenden Trainings.

Ja und so habe ich das auch durchgezogen. Chillimilli oder wie man so sagt ?.

 

 

Zu keiner Zeit habe ich ein schlechtes Gefühl gehabt. Auch in diesem Wettkampf bin ich wieder ein paar extra Meter geschwommen, aber hey! Schon war das Schwimmen auch vorbei und ich bin aus dem Neo geschlüpft, Helm auf und raus aus der Wechselzone. Auf der Garmin am Rad dann die erste zeitliche Orientierung, der erste Schock, es ist 08:18Uhr. Shit, habe ich wirklich 38 Minuten für Schwimmen und den ersten Wechsel gebraucht. Mist, das war dann doch wohl viel zu locker. (Letztendlich, hab ich nach dem Wettkampf erfahren sind wir später gestartet und die Uhrzeit auf der Garmin ging zum Glück nicht richtig.)

Zum Radfahren: Man fährt hier in Lissabon 4 Runden à 22,5km. Die Strecke ist an manchen Stellen wellig, gegen Ende wartet ein 2km langer Anstieg und an den Wendepunkten muss man ziemlich runter bremsen. Alles in allem aber eine flache Strecke, auf der man leider aber nicht einfach so rollt. Der Plan war hier richtig zu drücken und mal mir selber zu beweisen, dass ich noch Radfahren kann und nicht wie in Kona, so durch die Landschaft schleiche. Ich bin das Ganze also hart angegangen, auch um einfach früher fertig mit der Quälerei zu sein, denn es wurde immer wärmer in Lissabon an diesem Samstag.

Nach den ersten zwei Runden hatte ich schon keine Ahnung mehr, wie ich noch zwei Runden davon überleben sollte, ab da hieß es Zähen zusammenbeißen und durchhalten. Nach Runde 3 stand zum Glück dann André mit am Rand als Support, was mich nochmal für die letzte Runde motiviert hat.

Nach 2h37min konnte ich dann endlich das Rad wegstellen und hatte trotzdem keine Ahnung wie ich mit den derzeitigen Beinen noch einen Halbmarathon überstehen sollte.

Aus der Wechselzone raus und rauf auf die 4 Runden Laufstrecke à 5,25km in der prallen Sonne.

Um das Laufen kurz zusammenzufassen: das war der erste Lauf in einem Triathlon in dem ich endlich einmal abrufen konnte, wofür ich trainiert hatte. Das erste Mal, dass ich stärker war als mein Schweinehund, der mir immer wieder einredet, dass ich den Rest auch gehend ins Ziel bringen kann und mich gehen lassen kann! Dieses Gefühl war einfach unbeschreiblich!

 

Darauf bin ich wirklich unheimlich stolz und hoffe, dass ich daran bei den nächsten Wettkämpfen anknüpfen kann.

 

Am Ende stand eine Zielzeit von 5h07min und 28sek auf dem Zielbogen, als ich endlich über die Ziellinie laufen durfte. Eine neue Bestzeit auf der Mitteldistanz, mal schauen, ob ich diese die Saison noch weiter unterbieten kann.

 

Abschließend kann ich nur jedem ans Herz legen die Challenge Lissabon mit bei der Rennplanung in Betracht zu ziehen. Wenn man sich rechtzeitig anmeldet, liegt die Startgebühr deutlich unter 200Euro. Außerdem bekommt man eine Mitteldistanz in einer wunderschönen Stadt mit einer geringen Teilnehmerzahl. Lediglich mit der mangelhaften Organisation bzw. Anleitung durch Volunteers etc. muss man sich anfreunden können.

 

Alles Liebe

Eure Stephanie

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