Ironman Frankfurt 2017– Klappe die Zweite / WORLDCHAMPIONSHIP HAWAII

Ironman Frankfurt 2017– Klappe die Zweite / WORLDCHAMPIONSHIP HAWAII

Am 09.07.2017 habe ich in Frankfurt mein Ironman Triple vollendet – bei 32 Grad. Ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man darüber nachdenkt, dass ich mich mit 22 Jahren schon dreimal über diese insgesamt 226km „gequält“ habe. Vorab nur kurz die Info, dass ich an diesem besonderen Tag – und auch am Montag – von früh morgens bis abends von einem Kamerateam des Fernsehsenders ARD / hr  begleitet worden bin, die eine Dokumentation mit dem Titel „Mythos Hawaii“ gedreht haben.
Ich werde voraussichtlich am 07.10.2017 – also eine Woche vor dem Ironman auf Hawaii­­- in der ARD um 18Uhr zur Sportschau-Sendezeit mit Maxi zusammen neben Sebastian Kienle und Jan Frodeno zu sehen sein!!! Dort kann man sich dann nochmal ganz genau anschauen, wie es mir so wirklich während des Rennens ging und was ich aus Nervosität alles so erzählt habe ?.

Jetzt aber zu meinem Rennbericht:

Das Prozedere in der Früh ist immer dasselbe: Man sucht seine restlichen Sachen zusammen, zieht die Wettkampfkleidung an und versucht zu frühstücken. Mit einem Kameramann, der jeden Bissen filmt, gestaltet sich das natürlich nochmal unangenehmer! (Ich bin gespannt, was davon dann am Ende gezeigt wird). Mit dem Shuttlebus ging es dann vom Intercontinental Hotel zum Langener Waldsee, wo das Rad vorbereitet wurde, bevor es dann auch schon kurz auf die Toilette und zum Umziehen ging. Die Wassertemperatur lag bei 24,1 Grad und somit durfte, gegen alle Erwartungen, mit Neopren geschwommen werden. Um 6:30Uhr fiel dann der Startschuss für die Profis, und kurz danach hieß es auch endlich für uns: Ihr dürft zeigen wofür ihr das ganze letzte Jahr trainiert habt! Ich hatte mich bei der „knapp unter einer Stunde Schwimmzeitgruppe“ mit Maxi eingeordnet, da ich versuchen wollte nach 59 Minuten aus dem Wasser zu steigen. Tja, letztendlich empfand ich es als ein relativ lockeres Schwimmen, was mich schon daran zweifeln ließ, ob das mit der geplanten Schwimmzeit wirklich so geklappt hatte. Während des Schwimmens habe ich mich aber einfach auf den Rest der Schwimmgruppe verlassen und dass sie mich schon in ihrem Tempo mitziehen würden. So kam ich nach 1h01min59sek raus und war in guter Verfassung. Den Weg hoch zur Wechselzone habe ich genutzt, um in Ruhe meinen Einteiler oben herum anzuziehen.

Und schon war auch schon Teil 1 von drei abgehackt. Jetzt ging es an die Radstrecke, der Grund, warum ich genau dort in Frankfurt noch einmal an der Startlinie stehen wollte. Beim Radfahren letztes Jahr ist einiges schiefgelaufen und ich wollte mir selbst beweisen, dass ich eine bessere Radfahrerin bin als diese Zeit vom letzten Jahr (5h56min). Die erste Runde lief prima und ich war sowohl in den Beinen als auch mental noch super fit für die zweite und letzte Radrunde. Die Radstrecke war dieses Jahr aufgrund einer Baustelle zum Glück nochmal drei Kilometer kürzer, und so konnte ich meine erhoffte Zeit gerade so noch einhalten und stieg nach 5h29min mit leider zunehmenden Bauchschmerzen, aber gut gekühlt vom Rad. Man lernt ja aus seinen Fehlern ….Die Lust auf den anschließenden Marathon hielt sich jedoch stark in Grenzen. Wie ich dem Kamerateam im kurzen Interview in der 2.Wechselzone auch gesagt habe: Ein 10km Läufchen hintendrauf wäre ganz schön oder maximal 20km aber 42,2 km müssen jetzt echt nicht noch sein……Das Thermometer war inzwischen auf 33 Grad angestiegen.

Euphorisiert von meinen Leuten entlang des Mains, die zum Anfeuern da waren, lief die erste Runde super und ich war optimistisch, meine geplante Marathonzeit einhalten zu können, da ich mir schon in der ersten Runde mir einen kleinen Puffer erlaufen hatte. Viele denken jetzt natürlich gleich, dass ich wahrscheinlich zu schnell angelaufen bin und es deswegen bergab ging ab der zweiten Runde im Marathon. Dem war aber nicht so, es war nicht so, dass ich nicht schneller hätte von den Beinen herlaufen können. Es war eher eine Kopfsache und die Magenprobleme haben ihren Rest getan. Ab km 18 habe ich angefangen an den Verpflegungsstationen zu gehen. Das Anlaufen war mental der Horror und irgendwann habe ich es gar nicht mehr wirklich geschafft, erst wenn wieder ein bekanntes Gesicht am Rand mir Mut zugesprochen hatte, konnte ich wieder ein wenig weiterlaufen. Leider war ich durch das „schnellere Gehen“ ab Ende der zweiten Runde natürlich auch immer deutlich länger der Sonne und den mittlerweile 34 Grad ausgesetzt, was mir dann nach dem Überschreiten der Ziellinie auch zum Verhängnis wurde. Davor möchte ich aber noch kurz erzählen, wen ich auf der Laufstrecke kennengelernt habe: Seine Startnummer war die 223 und sein Name Miguel. Ohne ihn wäre die Marathonzeit bestimmt noch langsamer geworden, falls das überhaupt möglich ist. Miguel hat eine unglaubliche Geschichte hinter sich und ist eine unfassbar inspirierende Person. Auch er war fertig und wir haben uns jedes Mal gegenseitig wieder ein Stück psychisch „gezogen“, und wie man so schön sagt: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Wer Miguel nun auch gerne näher kennen lernen möchte, kann seine Seite besuchen mit dem Titel: „Gegen jede Prognose“ oder sich gleich sein Buch kaufen! Das ist das Unglaubliche, was man erlebt, wenn man im Ironman hinten raus stirbt: Man trifft tolle Menschen und merkt, dass man mit seinem Leiden nicht alleine ist. Die letzten Kilometer meines Marathons kamen rechts leider auch wieder ein wenig Knieschmerzen dazu, sonst wäre ich so motiviert von Miguel die letzte Runde bestimmt nochmal gelaufen. (Und hätte ihn natürlich auch nochmal in den „Po“ getreten)

Die letzten Kilometer haben wir uns trotz Schmerzen beide nochmal zusammengerissen und sind gemeinsam in den Zielkanal gelaufen. Die letzten Meter habe ich dann noch einen Sprint hingelegt, um das Ganze endlich zu beenden. Im Zielbogen habe ich es noch geschafft die Arme fürs Fernsehen hoch zu reißen, bevor sich dann auch schon mein Kreislauf verabschiedet hat und ich links neben den Zielbogen gekippt bin. Lustig ist, dass ich während ich schon am Zusammenklappen war, noch versucht habe die Garmin zu stoppen, wovon es ein leider sehr unscharfes Bild gibt. Letztendlich hatte ich es aber nicht geschafft gehabt auf Stopp zu drücken, wie ich später, als ich wieder im medizinischen Versorgungszelt zu mir kam, feststellen musste. Ich weiß nicht mehr genau wie ich zu Boden gegangen bin. Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich kaum mehr Luft bekommen habe, und dann von mehreren Leuten auf eine Bahre gehoben wurde und von dort weggetragen wurde. Letztendlich war es einfach der Kreislauf, die allgemeine Erschöpfung und dieses erleichterte Gefühl nicht mehr weiter laufen zu müssen, das mich und meinen Körper so geschafft hat. Als dann kurze Zeit später alle Tränen von mir und von allen anderen, die sich natürlich Sorgen gemacht hatten, getrocknet waren, hat Maxi auf seinem Handy die Ergebnisliste gecheckt. Zu meinem Erstaunen versicherte er mir, dass ich meine Altersklasse gewonnen hatte- um ganze 6 Minuten! Zuerst dachte ich, dass mir das nur so gesagt wurde, um mich wieder fitter / vitaler zu bekommen. Mit dem eigenen Handy habe ich das Ganze dann nochmal überprüft. Es war tatsächlich wahr!

Ich hatte tatsächlich meine Altersklasse gewonnen, einfach unglaublich. Es hat mehrere Stunden gedauert bis ich es wirklich vollständig realisiert hatte- aber so geht es wahrscheinlich jedem. ? Stolz war ich in dem Moment keinesfalls auf mich, sondern auf Maxi der ein unglaubliches Rennen und so eine affengeile Performance hingelegt hatte, dass ich darüber fast gerührter war als über alles Andere.

Den kompletten Sonntagabend und auch den kompletten Montagvormittag haben meine Eltern und ich damit verbracht abzuwägen, ob ich den Slot für die Ironman Weltmeisterschaft in Hawaii annehmen soll oder nicht- schließlich beträgt alleine die Startgebühr für dieses Rennen 999 USD.

Letztendlich hat aber nicht der Verstand entschieden, sondern das Herz: Wer weiß ,wann ich nochmal die Chance bekomme bei dem legendärsten Triathlon der Welt zu starten.
Das heißt:

 

KAILUA KONA, HAWAII ICH KOMME!!!

 

An dieser Stelle möchte ich noch Danke sagen- denn, klar man muss die Leistung selber bringen, aber ohne die Helfer dort vor Ort und die Leute, die an der Strecke stehen und anfeuern oder dich im Vorfeld unterstützen- ohne eure Unterstützung wäre ich nie soweit gekommen!

Also Danke an alle freiwilligen Helfer! Danke an Kiwami Deutschland für den Hammer Einteiler! Danke an Kintex Tapes! Danke an die Schwabengarage GmbH Stuttgart für das Hammer- Auto, welches das Räder einladen und nach Frankfurt fahren so viel einfacher und angenehmer gestaltet hat! Danke an Domi für meine erste Bodenmessage in einem Ironman! Danke an Rouven, Elfina, Flo, Matthias, Ann-Kathrin und die vielen anderen die mich vor Ort angefeuert haben! Vor allem Danke auch an meine Freundinnen Nina und Vicky, die das erste Mal bei einem Ironman zugeschaut und angefeuert haben! Das Wissen, dass ich so viele tolle Leute an der Laufstrecke sehen werde, hat mich mental beim Radfahren deutlich beflügelt. Ein weiterer besonderer Dank geht auch an Sina und ihre Familie! Durch dich Sina hatte ich beim Radfahren mein erstes Plakat, nachdem ich die ganze Zeit Ausschau gehalten habe, was mich natürlich auch von den Strapazen abgelenkt hat! Und Danke auch an Julia, meine Trainerin, die mich überhaupt zu solchen Leistungen fähig gemacht hat!

 

Das wohl größte Dankeschön geht an meine Eltern, die den ganzen Triathlon/ Ironman-Zirkus ohne Murren und Meckern mitmachen und selber nervlich meistens genauso am Ende sind wie ich! Ohne sie wäre neben dem Wettkampf auch das Training nicht so gut gelaufen wie es ist. Meine Mama ist mittlerweile professionelle Laufbegleiterin auf dem Rad und alle, die mir beim Laufen im Training entgegengekommen sind, haben immer neidisch geschaut, wenn sie meine Begleitung mit dem Wasser zum Kühlen im Fahrradkorb gesehen haben.

Nach einer ziemlichen Tiefphase und Ängsten aufgrund eines Vorfalls beim Radfahren ab Anfang April, haben die beiden sich auch wieder aufs Rennrad geschwungen und mich, soweit es ihnen möglich war, begleitet, damit ich nicht alleine fahren muss.

Meine Dankbarkeit hierfür lässt sich nicht in Worte fassen!!!

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